Werden die Rekorde wieder purzeln?

Werden die Rekorde wieder purzeln

Jetzt jagen sich wieder die Meldungen über Rekorde und Höchstpreise. Von Zürich bis New York ist Auktions-Saison. Gehts jetzt hinauf oder hinunter mit den Preisen? Wo sind Sensationen zu erwarten und wer ist Kunsthandels-Weltmeister?

Sabine Altorfer

Wir verfolgen doch alle fasziniert die Rekordmeldungen von Auktionen. Wir horchen auf bei den Ankündigungen, dass wieder ein herausragender Monet, ein rares Möbelstück oder ein Riesendiamant unter den Hammer kommt. Die Kunst, und Kunsthandwerks-Auktionen sind weltweit ein Riesengeschäft, dazu kommen Versteigerungen von Prominenten-Nachlässen und Skurrilitäten.

Da wurde doch die Pistole, mit der Jesse James erschossen worden sein soll, für 350 000 Dollar verkauft, silberne High Heelsvon Marilyn Monroe kommen zu einem Schätzpreis von 2000 Euro zur Versteigerung und der Formel-1-Bolide von Jacques Lafitte für 200 000 bis 300 000 Euro. Von Kunstauktionen hören Nicht-Insider vor allem, wenn Preisrekorde oder Millionenbeträge erzielt werden, für van Gogh, Rubens oder Picasso. Doch diese fabulösen Meldungen zeigen nur die Spitze des Eisberges.

Riesengeschäft mit der Menge

Das Auktionsgeschäft bezieht seinen Glamour und seine Publizität von diesen Ergebnissen, die Umsätze machen die meisten Anbieter aber mit der Menge. Auch Kleinvieh macht Mist, ist man da versucht zu sagen. Die Kataloge, sei es von den internationalen Spitzenreitern Sotheby’s und Christie’s, aber auch von Koller in Zürich, Lempertz in Köln, dem Dorotheum in Wien oder dem Auktionshaus Zofingen, sind dicke Bände, gefüllt mit Hunderten und Tausenden von Objekten – faszinierende Bilderbücher und vor allem Listen, die immer wieder staunen machen, was in welchen Mengen auf dem Markt verfügbar. ist. Ab hundert Franken ist man dabei. Ein Brieföffner (Wiener Werkstätte), eine Gugelhopfform aus dem 19. Jahrhundert, generell Stiche, Originalgraphiken, Nippes oder Schmuckstücke werden für weniger als tausend Franken angeboten. Und die Statistik besagt, dass 90 Prozent aller Objekte für unter 10 000 Euro zugeschlagen werden.

Kunst als Anlage und Spekulation

Politische Ereignisse haben grossen Einfluss auf die Preise und Geschäftserfolge: Der Ausbruch des Golfkriegs 1991, der 11. September 2001, der bevorstehende Irak-Krieg Anfang 2003 liessen den Handel einbrechen. Generell ist der grosse Boom im Kunsthandel- und Antiquitätengeschäft vorbei. In den 70er-Jahren habe man alles verkaufen können, sagt etwa Jules Lang vom Auktionshaus Zofingen. Heute sei der Markt härter und selektiver. Beste Ware halte den Preis oder steige sogar, stellt Urs Lanter von Sotheby’s Zürich fest. Bei der Schweizer Kunst sind das hervorragende Arbeiten von namhaften Künstlern wie Hodler, Giacometti oder Valloton. Kunst als reine Kapitalanlage empfiehlt er nicht, es brauche die persönliche Begeisterung und Liebe, um das richtige Werk zu wählen. Die Statistik zeigt aber, dass Kunst ihren Wert grundsätzlich behält. Artprice vergleicht mit der Börse: der Dow Jones Index hat von November 1999 bis November 2002 rund 20 Prozent verloren, der Preislevel für Gemälde aber gut 10 Prozent zugelegt.

Impressionisten im Tief

Aber das unaufhaltsame Steigen der Preise ist vorbei. So stellt man nach den ersten Auktionstagen in New York erstaunt fest, dass die Impressionisten nach jahrzehntelangen Erfolgen offensichtlich ein Tief haben: Claude Monets «Seerosen» lösten in New York statt der geschätzten 10 bis 15 Mio. Dollar «nur» 9,3 Mio., Ähnliches widerfuhr Werken von Renoir oder van Gogh. Dagegen haben die internationalen Cracks der Moderne (de Koonig, Modigliani, Moore oder Klimt) mehr gelöst als erwartet. Es ist aber sicher zu früh, das bereits als neuen Trend anzusehen.

Wer auf kurzfristige Spekulationsgewinne zielt, ist bei Kunst grundsätzlich am falschen Ort, mit modischen Highlights gehe man hohe Risiken ein, finden die Fachleute einhellig. Nicht einig ist man sich allerdings, ob die Hochpreise als Anlage halten, viele empfehlen das mittlere Segment, weil hier zahlenmässig mehr umgesetzt wird.

Cuno Amiet ZVG

Oschwand, 1940

Aus Privatbesitz

Beim Auktionshaus Zofingen

Schätzpreis: 380 000 Franken.

Silver High HeelsEPA

von Marylin Monroe

Bei Christie’s, New York

Schätzpreis: 1700 bis 2000 Euro.

Kabinettt-Tasse mit Untertasse ZVG

Wien 1826

Bei Koller West, Zürich

Schätzpreis: 400 bis 600 Franken.

Unbenannter Diamant EPA

103,83 Karat

Erstverkauf

Bei Sotheby’s, Genf

Schätzpreis: 8 bis 10 Mio. USD.

Kommode aus dem Besitz von Maria Callas ZVG

Régence. Von Noël Gérard, um 1720

Bei Koller, Zürich

Schätzpreis: 150 000 bis 250 000 Franken.

Andere Schätzpreise hier: http://www.jeu-concours.ch/

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