Wahrer Luxus schreit nicht

Wahrer Luxus schreit nicht

Will man Soziologen und Trendforschern glauben, ist der Luxus der Zukunft immaterieller Art – Verzicht, Stille, Zeit für Musse und Beschaulichkeit. Dennoch wird bei den internationalen Designerschauen ostentativer Luxus zelebriert.

Luxus soll die Stimmung heben in Zeiten, in denen es wirtschaftlich nichts zu lachen gibt. Weil Pelz Symbol für Luxus und Glamour schlechthin ist, geht es diesen Winter auch den Wildtieren wieder an den Kragen. Designer setzen dieses Naturmaterial so hemmungslos ein, als ob es vom Index für unethisches Benehmen verschwunden wäre. Als ob Pelztragen keine Gewissensfrage mehr wäre, gibt man nicht mehr vor, Pelze aus klimatischen Gründen einzusetzen, sondern man steht voll dazu, dass Pelzmode nichts mit Witterung, sondern mit Zurschaustellung von Status und Wohlstand zu tun hat. Im Gegensatz zur 90er-Jahre-Devise «Lieber nackt als Pelz» scheint diesen Winter das Motto zu gelten: «Lieber nackt und Pelz» und so wird das Paradoxon von Pelz in unseren Breitengraden von den Designern gleich selbst bildhaft vor Augen geführt. Sonia Rykiel zeigte einen Nerz-BH, Versace knappe Hotpants in Fuchsfell und bei Sportmax trägt das Model gegen die Kälte ein luftiges Chiffon-Röckchen zur Wolfsfelljacke.

Das plakativste Beispiel dafür stellte Anna Wintour, die Modechefin der amerikanischen «Vogue», dar. Während ihr Oberkörper an der Mailänder Modewoche im März bei sommerlichen 25 Grad von einem Pelzcape gewärmt wurde, steckten ihre nackten Füsse in High Heels- ein ganz offensichtlich «nur zum Vergnügen betriebener Aufwand», wie die Definition von Luxus im neuen Duden lautet. Denn Frau Wintour ertrug den Pelz nicht und hielt ihn meist in den Händen.

Gegen diesen «Aufwand» protestierten in Paris Pelzaktivisten der Tierschutzorganisation Peta, indem sie sich während der Schau mit Transparenten behende auf die Laufstege schwangen und so die Aufmerksamkeit der Fotografen erheischten. Jean Paul Gaultier, auf ein Protestereignis vorbereitet, liess den Demonstranten von seinen Security-Männern eine Pelzdecke über den Kopf werfen, bevor sie sie vom Laufsteg zerrten. Doch der Modejournalisten- und Einkäuferpulk quittierte das ironische Spektakel als willkommene Show-Einlage, ohne dass das Anliegen der Tierschützer ihren Mode-Horizont gestreift hätte oder anderntags mit differenzierter Ernsthaftigkeit in den französischen Medien erwähnt worden wäre. Man will ja beim Tanz auf dem Vulkan nicht gestört werden.

Schlichte Grosszügigkeit

Nicht zwingend in tierschützerischer Absicht, sondern auf der Suche nach Stil und schlichter Grosszügigkeit sieht Luxus im Lager der Puristen ganz anders aus. Wer nicht zur Schau stellen muss, was er hat, weil er mehr hat, als das, was er zeigen kann, kann sich Understatement leisten und seinen ganz privaten Luxus geniessen. Labels wie Hermès, Akris oder Jil Sander zeigen Mode in veredelter Einfachheit, die den Luxus erst auf den zweiten Blick erkennen lässt. Etwa an Verarbeitungsdetails, aufwändiger Schnitttechnik und edlen Materialien wie Kaschmir, Alpaca oder Seide. Dieser Kosmos der Kostbarkeiten lebt von einer Ästhetik der bewussten Reduktion, demselben Stil-Verständnis, das ein leeres Zimmer mit zwei Designerstühlen und einer Pflanze zum Credo macht. Wenn das französische Sprichwort «Reichtum ist wie Konfitüre. Je weniger man davon hat, desto mehr verstreicht man sie auf dem Butterbrot» stimmt, ist für Zobel, Nerz, Chinchilla und Fuchs zu hoffen, dass wir bald alle so reich sein werden, um am liebsten in unscheinbarem Kaschmir zu brillieren. Denn die Kaschmir-Ziegen kommen bei der Rohstoffgewinnung immerhin geschoren davon.

Leiser Luxus

Hermès (Bild), Akris oder Jil Sander setzen auf schlichte Grosszügigkeit.

Lauter Luxus

Lieber nackt und Pelz (Hotpants von Versace). fotos: Hugentobler

Die ewige Frage der Farbe

Haben Sie sich bei der Strumpfwahl auch schon den Kopf zerbrochen, weil Sie sich nicht für eine Farbe entscheiden konnten. Welche Farbe passt zum Outfit? Schwarz oder Weiss? Orange oder Pink? Grün oder Lila?

Die Antwort auf die ewige Frage heisst Two Tone Tights. Diese von Falke lancierten Strumpfhosen haben nämlich verschiedenfarbene Beine. Das eine Bein trägt Pink, das andere Schwarz. Oder lieber das eine Hellblau und das andere Gelb? Sechs Farbzusammenstellungen jedenfalls sollen künftig die Wahl einfacher machen. Oder vielleicht doch nicht?

 

Hinweis: http://ch-de.voegele-shoes.com/3/lifestyle/sport/skechers

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