Paradies für Schuh- und KinofansSascha Tankerville

Paradies für Schuh- und KinofansSascha Tankerville

Yvonne Catterfield schaut stumm auf die sonnenbeschienene Grenchner Begegnungszone herab. Würde der «GZSZ»-Star Grenchen kennen, wäre ihr klar: Die Begegnungszone ist heute um einiges belebter als sonst. Vor dem ehemaligen EPA-Gebäude sammeln sich die Menschen, laufen rein und raus. Grund für den Andrang: Heute haben die Dipl. Ing. Fust AG und das Schuhgeschäft Dosenbachhier ihre Geschäfte eröffnet. Prominent wirbt die Schauspielerin und Sängerin ab dem Plakat im Schaufenster Dosenbach. Der Schuh- und Sportartikelanbieter ist schon auf dem Vorplatz ziemlich aktiv. «Bonne affaire – Gutes Geschäft» kündigt der Schriftzug an einem aufblasbaren Zelt schon von weitem an. Hier lässt eine Verkäuferin das Glücksrad drehen. «Willst du es versuchen?», fragt sie ein Mädchen, das zusammen mit einem knappen Dutzend Gspänlis zum Schauplatz des Geschehens gepilgert ist. Die Kleine nickt, greift zum Rad, und ratsch… Das Rad dreht mehrere Runden und knapp am Glück vorbei. Wers auf ein Dosenbachschildchen trifft, bekommt einen Gutschein für zehn Franken. Für das Mädchen gibts zum Trost einen Dosenbach-Ballon.

Im neuen Einkaufstempel gehts geradeaus und links zu Fust, rechts liegt Dosenbach. Es scheint, «tout Granges» hat sich zur Eröffnung begeben. Kaufen alle, die da einen Blick wagen, dann machen Fust undDosenbachheute das Geschäft des Jahres. Bei den Schuhen läuft der Laden. Alle Welt begutachtet das Angebot – als obs in Grenchen vorher keinen Dosenbachgegeben hätte. Suchend läuft da eine 15-Jährige durch die Gänge. Im Schlepptau ihre Mutter. Schnell und kritisch wandert der Blick des Teenagers über die Regale. Hellgrüne Schuhe mit weissen Punkten, quitschgelbe mit grünen und blauen Blumen, unifarbene in Pink oder Türkis, flache und solche mit schwindelerregend hohen Bleistiftabsätzen werden ins Visier genommen. «Wie war der Schuh, den du gesehen hast», fragt die Mutter atemlos. «Fast wie der da, nur ohne diese Schnalle und mit höheren Absätzen», klagt die Tochter, «sie haben ihn wohl nicht, dabei hab ich doch extra gewartet, bis das Geschäft hier eröffnet.» Im hinteren Teil des Ladens, bei den Sportartikeln, ist es etwas ruhiger. Mitten auf dem Gang sind zwei ältere Damen ins Gespräch vertieft. «Ja, sie haben den Laden schön gemacht. Und so schnell.» Ihre Bekannte nickt, dann antwortet sie: «Aber die EPA… Die fehlt halt doch.»

Wo früher die Rolltreppe ins obere Stockwerk fuhr, führt jetzt ein Durchgang zu Fust. Hier ist es merklich ruhiger, kühler und vor allem – es sind mehr Männer da. Frauen und Paare flanieren eher durch die Abteilungen mit Haushaltsgeräten. Hier lässt sich ein älteres Ehepaar über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Tiefkühltruhen informieren. Während etwas weiter vorne eine Frau mit Kinderbuggy diverse Waschmaschinen und Tumbler vergleicht. Es scheint ihr einiges zuzusagen, sie kann sich aber nicht gleich entscheiden. Suchend schaut sie um sich. Wo ist da bloss der Mann geblieben? An der hintersten Wand hat Richard Gere als König David gerade 20fach den bösen Goliath zu Fall gebracht. Stumm läuft der Film über die vielen Fernsehbildschirme. Ein Vater streitet sich davor mit seinem Sohn darüber, welches Gerät dieser für sein Zimmer haben darf. Das tiefe Dröhnen eines Basses lockt den Jungen zu der Anlage mit «Home Cinema» und «Digital-Surround-System». Über den riesigen Flachbildschirm flimmert Will Smith im Film «I Robot». Auf dem roten Sofa davor lümmeln sich drei Jugendliche. Selten sind sie so billig zu einem Action-Film mit echtem «Kino-Feeling» gekommen. Normalerweise, so bestätigt ein Angestellter, würde man das wohl kaum dulden. Aber heute ist ja alles anders als sonst…

Rot oder orange? Die Auswahl und die Qual der Wahl ist bei den vielen verschiedenen Schuhen gross.

 

You may also like...