«Frau Bailo, wend Ihr öi es Käfeli?»

«Frau Bailo

Guete Obe, Krebs, Kantonspolizei, mer mached zäme en Blos-Tescht», so werden in der Nacht vom Freitag auf den Samstag zwischen 23.30 und 02.30 Uhr Hunderte von Autofahrern aus der ganzen Schweiz am Kontrollposten auf der A1 in Schafisheim begrüsst. Die meisten Automobilisten machen zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem «Röhrli», in das sie blasen müssen. Alte «Tricks» wie Kaugummi oder «Fisherman’s Friend» für den reinen Atem nützen nichts mehr – seit dem 1. Januar werden Alkoholkontrollen von der Polizei auch ohne Verdacht durchgeführt.

Das Medieninteresse an der Grosskontrolle, die auf den neuen 0,5 Promille-Grenzwert beim Alkohol sowie den Nullgrenzwert für bestimmte Drogen aufmerksam machen soll, ist gross. Selbst zwei TV-Stars sind auf der Autobahn dabei: Tele-M1-Moderatorin Maureen Bailo und Telezüri-Lady Chris-tine Schnyder filmen die nächtlichen Kontrollszenen höchstpersönlich mit der Kamera. Und erleben genauso wie die Polizisten, wie bunt die nächtliche Welt der A1-Verkehrsteilnehmer ist.

Ue Mann, was muessi mache?», fragt ein junger Secondo mit Ziegenbock-Bärtchen aus seinem aufgemotzten Schlitten mit getönten Scheiben, Spoiler und «Znüni-Brettli». – «Alkoholtest – Sie müssen nur kurz hier rein blasen», sagt Kantonspolizist Stillhart. Auch Fahrzeug- und Führerausweis werden kontrolliert. «Danke, alles in Ordnung, gute Fahrt!», wünschen die Polizisten.

Dann fährt Michael Meier (25) aus Gränichen mit seinem Auto zwischen die orangen Verkehrskegel. «Haben Sie etwas getrunken?» – «Ja, ein Bierli, vor zwei, drei Stunden.» Und: «Ich bin seit dem 1. Januar klar vorsichtiger geworden: Mehr als ein Glas Alkohol trinke ich nicht, wenn ich fahre», sagt der junge Gränicher bestimmt. Das Testgerät zeigt 0,0 Promille an. «Eis Glas mags no liide – aber meh nid», meint einer der Polizisten und lobt Michael Meiers vorbildliche Einstellung.

Auch Agron Isako (25), Kosovo-Albaner aus dem Kanton Solothurn, wird angehalten und muss blasen. «Wie war das jetzt für dich?», fragt Tele-Frau Maureen Bailo. «Angenehm. Isch guet gsi», sagt er und grinst freundlich in die M1-Kamera.

Ein mit einer siebenköpfigen mazedonischen Grossfamilie aus Deutschland überladener Mazda gerät ebenfalls in die Kontrolle. Der Fahrer hat 0,0 Promille, dafür sehen die Polizisten den grossen Sprung in der Frontscheibe. Das gibt eine Busse. Die Mazedonier lachen trotzdem. «Hast du Feuer?», fragt einer die Kantonspolizei. Die Stimmung ist locker.

Die Polizisten sind freundlich und informieren über die Promille-Neuregelung. Fairplay ist die Devise der Kantonspolizei. Und die meisten Automobilisten nehmen – jedenfalls vordergründig – die Kontrolle gelassen oder sogar mit Humor hin.

Die Nacht ist kalt. Die Journalisten schlottern. «Frau Bailo, wend Ihr öi es Käfeli?», fragt Polizeikommandant Léon Borer. «Gibt es denn Kaffee bei der Polizei?», erwidert die M1-Moderatorin. «Jä, für sones Schätzeli wie Sie gits immer eis», zwinkert der obers-te Aargauer Polizist charmant. In der Polizei-Cafeteria der Einsatzzentrale Schafisheim wird Kaffee Crème serviert. «Kafi Lutz gibts bei uns nicht», lacht Hans-Peter Zinniker, Chef der Mobilen Einsatzpolizei. Auch Regierungsrat Kurt Wernli ist mit dabei: «Ich habe mit dem Polizei-Kommandanten persönlich die Polizisten an drei Kontrollpunkten besucht und musste auch blasen. Ich hatte 0,0 Promille!», freut sich der Aargauer Polizeidirektor.

Je früher der Morgen, desto mehr junge Partygänger fahren in die Kontrolle. Fabio Antolini (18) aus Aarau kommt mit Kollegen aus dem Zürcher Club «Q» («Es hatte keine guten Frauen») heim und findet es «witzig», angehalten zu werden. «Wir werden heute abend schon zum dritten Mal kontrolliert. Zuerst in Aarau, dann in Zürich und jetzt hier. Und wir haben immer noch nichts getrunken», lacht er.

Glamourös mit Glitzerschmuck und High Heelsaufgemachte Partygirls aus dem Luzerner Hinterland werden nicht verschont. Irena Saleva (20) aus St. Urban kehrt aus dem Ausgang in Zürich heim: Sie habe noch nie ins Röhrchen gepustet, verrät das Partygirl nervös und ist gespannt, wie hoch der Promillewert nach zwei Whisky-Colas im Zürcher Szenelokal ist. «0,3 Promille – das liegt noch drin», sagen die Polizisten. Irena freut sich so, dass sie gleich noch fürs Foto posiert – Model-Shooting nachts um 2.00 Uhr auf der A1. Die Polizisten lächeln.

Dann gibts auch noch Arbeit für Polizeihund Bambou (6): Der Belgische Schäfer springt flink auf die Sitze eines weissen Peugeot, findet aber nichts. Später wird ein schwarzer Toyota-Kleinwagen mit fünf Kiffer-Typen angehalten. Die Insassen mit Rasta locken torkeln über die Fahrbahn: «Wo chann i do go schiffe?», fragt einer. Der Fahrer muss zum Drogentest, seine Freundin erzählt, dass die Gruppe gerade von einem Konzert in Bremgarten komme. «Von welchem denn?», möchte der Reporter wissen. «Ou, du frogsch Sache. Ich hoffe, si löi mi Fründ sii.» Hat er denn etwas mit Drogen am Hut? «Es kann sein, dass er ein bisschen Marihuana dabei hat.»

 

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